Die Klimastiftung Schweiz unterstützt die Entwicklung einer stromproduzierenden Heizung

12.06.2015
Wer fortschrittlich sein will, hat dank einer Entwicklung der Rudolf Schmid AG bald eine attraktive Möglichkeit mehr, um sein Haus umweltfreundlich zu heizen. Mit finanzieller Unterstützung der Klimastiftung Schweiz entwickelt das KMU eine Heizung, die nicht nur Wärme, sondern auch Strom produziert – und dies einfacher und effizienter als bisherige Systeme. Jetzt steht die erste Testanlage.

Wie kann aus Brennstoffen ein optimaler Wirkungsgrad herausgeholt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Rudolf Schmid AG im bernischen Thörishaus. Sie entwickelt eine Wärme-Kraft-Kopplungsanlage (WKK). Dies ist eine Heizung, die nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugt. Im Unterschied zu den WKK, die bereits auf dem Markt sind, ist das Herzstück der Anlage aus Thörishaus ein neuartiger Resonanz-Stirlingmotor, dessen einzigartiges Prinzip weltweit patentiert werden konnte. In diesem Motor wird ein Gas abwechselnd erwärmt und abgekühlt. Das Gas dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen, was einen Kolben in Bewegung bringt und Strom erzeugt. «Heute werden in WKKAnlagen vorwiegend Diesel- und Gasmotoren eingesetzt, meist in grösseren Anlagen und vorwiegend für Industriebetriebe; in Wohngegenden stellen die Abgase häufig Probleme und die Wärmeverteilung verlangt aufwändige Netze», erklärt der Geschäftsführer Rolf Schmid und vermutet: «Das ist wohl mit ein Grund, warum die Verbreitung dieser Anlagen bisher spärlich ist». Nur rund 700 WKK-Anlagen wurden in den letzten Jahren in der Schweiz installiert.

     

Klimastiftung Schweiz sieht grosses Potenzial

             

Die Klimastiftung Schweiz unterstützt die Entwicklung mit 180 000 Franken. Sie schätzt das Potenzial dieser WKK-Anlage sehr hoch ein. Insbesondere in Streusiedlungen und ländlichen Gebieten gelegene Wohn- und Geschäftshäuser haben damit eine weitere Option umweltfreundlich zu heizen. Und dies ohne jeglichen Aufwand für die Wärmeverteilung. Bei den Anlagen ist der Wartungsaufwand deutlich geringer als bei anderen WKK-Anlagen. Als Energieträger kommen Gas oder Öl in Frage, später auch Pellets. Beim Stirlingprozess erfolgt die Verbrennung kontinuierlich in einer äusseren Brennkammer, die Abgase sind somit äusserst sauber und genügen den strengsten, für Wohnquartiere geltenden Vorschriften. «Dass diese moderne Heizung in der Schweiz hergestellt wird, macht das Projekt auch zu einem Gewinn für die einheimische Wirtschaft», sagt Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz.

             

Die Stiftung unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Inland, die sich konkret für den Klimaschutz engagieren. 26 Dienstleistungsunternehmen finanzieren die Stiftung und setzen sich auf diesem Weg gemeinsam für den Klimaschutz und den Wirtschaftsstandort Schweiz ein. Die WKK-Anlage der Rudolf Schmid AG gehört zu den grössten Projekten, welche die Stiftung unterstützt. Mit einer ersten Testanlage werden in den nächsten 3 Monaten unter realen Bedingungen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet.

        

Neues Leben für alte Heizanlagen

        

Die neuen WKK-Anlagen mit dem Resonanzstirling-Motor sind kompakte Aggregate und erfordern kaum Unterhaltsarbeiten. Nach mehrjähriger Entwicklung sollen die bestehenden Prototypen punkto Wirkungsgrad und Abgabeleistung die vergleichbaren Geräte deutlich übertreffen. Bis die Anlage auf den Markt kommt, rechnet Rolf Schmid mit mindestens einem weiteren Jahr. Dereinst, sagt er, sollen seine WKK-Anlagen dafür sorgen, «dass veraltete Heizanlagen, die Heizöl oder Erdgas verbrennen, unter wirtschaftlichen Bedingungen  effizient und mit entsprechend vermindertem CO2-Ausstoss nachgerüstet werden können.» Zudem wird eine dezentrale Stromproduktion ermöglicht: Der Hauptanteil des erzeugten Stroms wird vom Betreiber selbst genutzt, der Rest wird ins Niederspannungsnetz geleitet und lokal verwendet.  

                 

Ergänzung zu Wärmepumpen

             

Am besten ergänzen sich WKK-Anlagen mit den verbreiteten Wärmepumpen. Die WKK-Anlagen stellen den Strom vorwiegend zu Spitzenbedarfszeiten wie im Winter, oder gegen Abend bereit, genau wenn ein Strommanko besteht und die Wärmepumpen diesen benötigen. Wird der gewonnene Strom beispielsweise für eine Wärmepumpe im Nachbargebäude genutzt, so kann der Bedarf an Brennstoff  und der CO2-Ausstoss gegenüber herkömmlichen Öl- oder Gasheizungen in beiden Gebäuden um rund 40 % reduziert werden.